Roger Sigg, Meisterschwanden
"Glaube ist für mich wie das Wasser im Meer."
Ein vaterloses Kind findet nach Hause
Als ich zwei Jahre alt war, sprang mein leiblicher Vater, müde vom Leben, vor den Zug und setzte seinem Leben ein jähes Ende. Davon habe ich nichts mitbekommen und wuchs mit meiner Mutter und meinen zwei älteren Brüdern unbeschwert auf.
Meine Mutter musste arbeiten gehen und oftmals mussten wir selbständig ins Bett gehen.
So gab es immer wieder Situationen, wo mir jemand gefehlt hatte. Wenn ich Angst hatte einzuschlafen wünschte ich mir jemanden, der neben meinem Bett wachte, mich in die Arme nahm und mir das Einschlafen erleichterte.
Während meiner Jugendzeit besuchte ich ein CVJM Lager auf dem Hasliberg. Immer wieder wurde davon gesprochen, dass Gott unser Vater sein möchte. Dies hat mich besonders berührt. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das so ist mit einem Vater und dennoch spürte ich die Sehnsucht, einen Vater als Gegenüber zu kennen. Diese Sehnsucht wurde so gross, dass ich in auf einem nächtlichen Spaziergang diesen mir bis dahin unpersönlichen Gott bat, mein Vater zu werden. Unwissend worauf ich mich da eingelassen hatte, geschah Erstaunliches. Ich fühlte eine Wärme die mich umgab, als ob ich in den Armen eines Menschen läge und eine tiefe Geborgenheit. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich, was es heisst, in den Armen des Vaters zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich jemandem „Vater“ sagen.
Dieses Erlebnis prägt noch heute mein Leben, und ich kann mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen, wie es wäre ohne Vater zu leben. Ich erlebe Gott als meinen himmlischen Vater, der mich liebt, tröstet, korrigiert, hinterfragt, durch trägt und mir viel Vertrauen schenkt. Ohne ihn wäre ich ein Meer ohne Wasser.
//
nach oben
//
Seite drucken